Im Rahmen der Jahreshelferversammlung des Ortsverbandes Quedlinburg der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) zog Ortsbeauftragter Lars Deuter eine eindrucksvolle Bilanz für das Jahr 2025. Neben einem Rückblick auf geleistete Einsätze und Ausbildungsstunden standen vor allem Dank, Anerkennung für die Familien und Arbeitgeber der Ehrenamtlichen, aber der Ehrenamtlichen selbst – aber auch ein deutlicher Appell an Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt.
Zu Beginn der Versammlung gedachten die Anwesenden des kürzlich verstorbenen Kameraden Detlev Kistritz, der über viele Jahre hinweg das Leben im Ortsverband mitgeprägt hatte. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke in der Gemeinschaft.
Auch wenn der Ortsverband im vergangenen Jahr von großen Katastropheneinsätzen verschont blieb, war die Belastung hoch: Insgesamt leisteten die rund 75 aktiven Helferinnen und Helfer sowie 15 Alt- und Reservehelfer 35.349 Dienststunden. Das entspricht durchschnittlich 275 ehrenamtlichen Stunden pro Einsatzkraft – viele engagierten sich sogar mit über 1.000 Stunden jährlich.
Ortsbeauftragter Deuter betonte jedoch ausdrücklich, dass der Dank allen Helferinnen und Helfern sowie deren Familien und Arbeitgebern gilt, die dieses Engagement ermöglichen.
In seiner Rede verwies Deuter auf die zunehmenden Herausforderungen durch Naturereignisse, technologische Abhängigkeiten sowie veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen. Begriffe wie Zivilschutz und zivile Verteidigung hätten wieder stark an Bedeutung gewonnen.
Trotz verbesserter technischer Ausstattung durch gestärkte Haushaltsmittel des Bundes sieht der Ortsverband insbesondere im personellen Bereich Handlungsbedarf. Mehr als die Hälfte der Helferschaft ist über 40 Jahre alt, viele wurden noch im Rahmen der früheren Wehrpflicht zum THW geführt. Nachwuchskräfte unter 25 Jahren stellen weniger als ein Viertel der Einsatzkräfte. Deuter sprach sich daher für politische Maßnahmen zur Stärkung des Ehrenamtes aus – etwa durch die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres mit Wahlmöglichkeit im Zivil- und Katastrophenschutz sowie durch konkrete Anerkennungen wie Rentenpunkte oder steuerliche Vorteile für Ehrenamtliche und unterstützende Arbeitgeber.
Ein Schwerpunkt der Arbeit im Ortsverband bleibt die Ausbildung. Allein rund 8.000 Stunden wurden 2025 in die fachliche Qualifizierung investiert. Besonders hervorzuheben ist die seit über zehn Jahren etablierte einwöchige Grundausbildung zu Jahresbeginn, die auch überregional Beachtung findet.
Der Ortsverband Quedlinburg verfügt über ein breites Fähigkeitsspektrum: Neben Bergungsgruppen, Fachgruppen für biologische und technische Ortung, einem Trupp für unbemannte Luftfahrzeuge und einem Logistikzug besitzt der Standort eine besondere CBRN-Kompetenz (chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahrenlagen). Diese Fähigkeit ist Teil des europäischen RescEU-Systems. Eine der europaweit eingesetzten Dekontaminationseinheiten ist organisatorisch in Quedlinburg angesiedelt.
Im Herbst 2025 trainierte die Einheit gemeinsam mit der polnischen Feuerwehr in Eisenhüttenstadt die internationale Zusammenarbeit im Ernstfall.
Regelmäßig unterstützte das THW Quedlinburg im vergangenen Jahr Feuerwehren und Behörden in der Region – unter anderem bei Vermisstensuchen mittels Drohnentechnik, bei technischen Hilfeleistungen auf der A36, bei Gebäudebränden sowie bei sicherheitsrelevanten Einsätzen mit CBRN-Gefahrenlagen. Auch bei der Bekämpfung illegaler Drogenlabore unterstützte das THW in enger Zusammenarbeit mit Polizei und Zoll durch Logistik, Beleuchtung, Spezialtechnik und Personal unter Chemikalienschutzanzügen. Darüber hinaus betreut der Ortsverband die Wasserwehr der Welterbestadt Quedlinburg und unterstützt den Landkreis Harz bei Vorbereitungen auf Tierseuchenlagen.
Ein besonderer Höhepunkt war im Juli 2025 der Besuch des Bundesinnenministers, der sich persönlich ein Bild von der Leistungsfähigkeit des Ortsverbandes machte und bei praktischen Übungsszenarien selbst mit anpackte. Die Wahl des Standortes Quedlinburg wurde als besondere Anerkennung für die geleistete Arbeit gewertet, da der Ortsverband stellvertretend für alle bundesweite 668 THW-Ortsverbände stehen durfte.
Die Helfervereinigung sowie der Förderverein des Ortsverbandes leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung zusätzlicher Ausstattung und zur Unterstützung der Jugendarbeit. Dank großzügiger Spenden – unter anderem der Stadtwerke Quedlinburg und des Lionsclubs – konnte 2025 ein dringend benötigter Gabelstapler beschafft werden, der die körperliche Belastung der Helfer deutlich reduziert. Abschließend dankte Ortsbeauftragter Lars Deuter allen Helferinnen und Helfern, Führungskräften, Ausbildern, Jugendbetreuern, dem Küchenteam, den Bundesfreiwilligendienstleistenden sowie allen Partnerorganisationen und Unterstützern.
„Ihr seid ein absolutes Vorbild für unsere Bevölkerung“, betonte Deuter. „Ohne euren Einsatz wäre die Sicherheit in unserer Region nicht in dieser Form gewährleistet.“
Mit Blick auf die kommenden Jahre bleibt das Ziel klar: Die Leistungsfähigkeit des Ortsverbandes sichern, neue Helferinnen und Helfer gewinnen und das Ehrenamt nachhaltig stärken.
Ehrungen im Ortsverband Quedlinburg
Für besondere Leistungen um das Technischen Hilfswerks konnten folgende Auszeichnungen verliehen werden:
Helferzeichen in Gold mit Kranz
Alexander Münch
Helferzeichen in Gold
Birgit Deuter
Patrick Kunze
Helfer des Jahres
Tim Mühe
Auch für viele Jahre ehrenamtliches Engagement konnten Helfer mit den Jahresabzeichen ausgezeichnet werden:
10Jahre
Michel Wüst
Kevin Wüst
Gabriele Bornschein
25Jahre
Ingolf
Gern Wahl